Information Architects http://ia.net/ch/ iA designs and builds digital products. Mon, 10 Nov 2014 09:36:25 +0000 de-CH hourly 1 Das Ende der analogen Welt http://ia.net/ch/blog/das-ende-der-analogen-welt/ http://ia.net/ch/blog/das-ende-der-analogen-welt/#comments Wed, 03 Oct 2012 12:41:44 +0000 http://informationarchitects.net/?p=9880 Im allgemeinen Sprachgebrauch ist „Digital“ all das, was mit Computern zu tun hat. Aber was hat heute schon nicht mit Computern zu tun? Der Unterschied zwischen digitalen und analogen Geräten verschwimmt immer mehr. Wie sinnvoll ist es noch, von „digital“ im Unterschied zu „analog“ zu sprechen?

Kaffeemaschinen sind mit grafischen Benutzerschnittstellen ausgerüstet, Autos sind Computer mit vier Rädern, Telefone sind Computer mit Photo- und Fernsprechverbindungstechnologie. Mehr und mehr Produkte werden mit einem Chip ausgeliefert: Toaster, Schuhe und bald auch Brillen. Bücher werden mit Computern geschrieben, gesetzt, gedruckt und vertrieben, Plattenspieler sind voll von Mikroelektronik, Häuser werden auf Computern entworfen.

Alles ist heute bis zu einem gewissen Grad digital. Der Unterschied zwischen digital und analog ist nicht mehr klar, er ist graduell.

Je weiter sich die digitale Technologie entwickelt, desto natürlicher wirkt das Digitale. Niemand denkt beim Druck auf den Espressoknopf daran, dass er damit einen Computer bedient. iPad und Kindle sind technisch der durchschnittlichen Drucksache schon weit voraus, nur bei der typografischen Umsetzung hapert es noch. Der angeblich hörbare Qualitätsunterschied zwischen CD und LP ist wissenschaftlich weit weniger als klar.

Während es immer schwieriger wird, einen Unterschied zwischen digital und analog in der Benutzerwahrnehmung festzumachen, tritt er in der Handhabung deutlich hervor. Platten muss man wenden, putzen, sorgfältig versorgen, CDs nicht. Den Kaffeekocher schraubt man auf, füllt man, die Kaffeemaschine bedient man per Knopfdruck. In Büchern blättert man, auf dem iPad wischt, streicht und tappt man. Digitale Produkte, mit oder ohne Bildschirm, werden anders gehandhabt als analoge Produkte. Einerseits sind sie praktischer, andererseits sind sie flacher.

Wenn wir von analog und digital sprechen, beziehen wir uns bewusst oder unbewusst darauf, dass die digitale Handhabung gleichzeitig einfacher und abstrakter ist.

Während die Handhabung digitaler Produkte im Vergleich meist praktischer scheint, verliert sie gleichzeitig an physischer Wirklichkeit. Oft hört man: Was bei digitalen Produkten fehle, sei der aktive physische Bezug. Das Schrauben, Kippen, Ziehen, Auspacken, Heben, Stossen, Blättern, Drehen, Klopfen wird zu einem annähernd zweidimensionalen Wischen und Drücken.

Analoge Werkzeuge wie Hammer, Schere oder Feldstecher sind Verlängerungen, Verstärkungen und Vereinfachungen unseres Körpers. Der Hammer ist eine gehärtete Faust, Scheren sind hochgeschliffene Zähne, Brillen sind schärfere Augen.

Jedes Produkt hat eine Schnittstelle. Der Hammer hat einen Griff, der in die Hand passt, und ein Ende, das der Faust gleicht. Die Schere ist an unsere Finger angepasst, die Scherenblätter gleichen unseren Zähnen. Die Brille wird ins Gesicht eingepasst und funktioniert mit dem Auge wie eine zweite Linse.

Im Unterschied zu analogen Werkzeugen, die mit etwas Übung fast unmittelbar mit unserem Körper verschmelzen, wirken Computer immer fremd. Computer passen sich unserem Geist nicht so selbstverständlich an wie der Hammer in unserer Hand. Digitale Produkte kennen die Unmittelbarkeit analoger Werkzeuge nicht. Computer sind Verlängerungen unseres Gehirns. Gehirne sind verwirrend. Wie sollten Computer also nicht verwirren?

Dennoch ist es bloss eine Frage der Zeit, bis uns die befremdenden Computer so natürlich scheinen wie Hammer und Schere. Der erste Hammer lag so natürlich in der Hand des Menschen, wie der erste Hammer, den wir als Kind in die Hand genommen haben. Wie sinnvoll ist es noch, von „digital“ im Unterschied zu „analog“ zu sprechen? Es ist so sinnvoll wie aufschlussreich, aber es wird von Tag zu Tag schwieriger. Man muss schon bald Schriftsteller sein, um sich heute ein rein analoges Leben überhaupt noch vorstellen zu können.

Dieser Artikel ist erstmals erschienen in der Werbewoche.

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Kommunikation ist Knochenarbeit http://ia.net/ch/blog/kommunikation-ist-knochenarbeit-2/ http://ia.net/ch/blog/kommunikation-ist-knochenarbeit-2/#comments Mon, 28 May 2012 10:31:04 +0000 http://informationarchitects.net/?p=9239 Der folgende Text über die Grundregeln des Bogenschiessens stammt aus dem sogenannten Shaho-Kun. Er lässt sich leicht auf die Kunst der Kommunikation übertragen.

Das Shaho-Kun von Meisters Yoshimi Junsei ist einer der Kerntexte des japanischen Bogenschießens (Kyudo). Ich werde in den folgenden zwei Minuten den halsbrecherischen Versuch unternehmen, die Parallelen zwischen Bogenschiessen und Kommunikation herauszustellen. Das Shaho-Kun beginnt wie folgt:

Die wichtigste Regel beim Erlernen des Bogenschießens ist, nicht nur mit dem Bogen, sondern mit dem Körper [wörtlich: «Knochen»] zu schießen.

Nachrichten haben Körper (Ton, Körpersprache, Typographie) und Geist (Bedeutung). Kontrolle über Körper und Geist einer Nachricht erreichen wir, wenn wir beim denken, schreiben, sprechen unseren eigenen Körper und Geist als ganzen einsetzen.

Den Geist [«kokoro,» eigentlich: «Herz»] in der Mitte des Körpers sammelnd, drückt man mit zwei Dritteln der Kraft mit der linken Hand die Sehne und zieht mit einem Drittel der Kraft mit der rechten Hand den Bogen.

Der Anfänger investiert seine ganze Energie in die Schlagkraft seiner Formulierung. Der Meister der Kommunikation hingegen stellt zuerst sicher, dass er solide steht und dass die Richtung des Pfeils stimmt. Er verwendet mehr Kraft und Geschick auf die Richtigkeit seines Arguments als auf die Schlagkraft.

Wenn man diese Grundprinzipien beachtet, entsteht eine in sich stimmige Einheit.

Die Kommunikation stimmt, wenn man mehr Energie in die Richtigkeit als in die Wortgewalt investiert.

Als würde man den Körper links und rechts in zwei Hälften teilen, öffnet man jetzt von der Mitte aus die Brust, bis sich der Pfeil löst.

Der Pfeil wird nicht dadurch abgeschossen, dass der Kopf der Hand befiehlt: «lass los!» Pfeil, Bogen, Körper und Geist sind eine Einheit; das Abschiessen des Pfeils wird als Öffnung des Körpers aus der Mitte der Mitte [«Brust»] erfahren. Der Pfeil (die Nachricht) wird nicht willentlich losgelassen, er «löst sich.» In einem angenehmen Gespräch versuchen wir nicht Wörter zu beherrschen; vielmehr geht es darum die Sprache aus uns heraus wirken zu lassen. Das geht, wie oben erwähnt nur, wenn wir mit Leib und Seele sprechen, und unsere Kraft darauf verwenden, sicher zu stehen. Wer sicher steht und sein Argument beherrscht, wird verstanden. Das erfordert Kraft. Kommunikation ist Knochenarbeit.

Wenn Eisen und Stein zusammentreffen, sprühen plötzlich Funken, heisst es.

Dieser Satz beschreibt den Augenblick, wo sich der Pfeil löst. Die Schärfe und Klarheit in der Lösung des Pfeils setzt eine höhere Form von Energie frei. Gezielte Kommunikation schickt nicht Nachrichten in die Welt um sie zu verändern, sie verändert zu aller erst das Bewusstsein dessen, der kommuniziert.

Der Pfeil des Kyudo Meister trifft das Ziel nicht bloss, er durchbort es auch nicht, er existiert im Ziel. Der Kyudo Meister weiss bereits vor dem Lösen des Pfeils, dass der Pfeil treffen wird.

Ebenso leuchtet der goldene Körper auf, hell erstrahlend, und der Halbmond steht im Westen.

Sofern man Google-Suchergebnissen glauben kann, verwendet der Satz eine Vielzahl Buddhistischer Anspielungen, die ich als Laie nicht vollständig erfassen und (schon gar nicht) redlich erklären kann.

So viel ich unter Einsatz meiner Designerfahrung, meiner Japanischkenntnisse, meinem Literatur- Geschichts- und Philosophiediplom verstehe, ist der leuchtende goldene Körper so schwer verständlich, weil er eine doppelte Metapher verkörpert:

  1. Das Bild der sprühenden Funken ist eine Metapher für die Lösung des Pfeils.
  2. Das Bild des Goldenen Körper im Osten und des (silbernen) Halbmods im Westen ist eine Metapher für den Funken, also die Wandlung des Schützen im Augenblick wo der Pfeil seine Brust verlässt.

Doppelte Metaphern sind kaum verständlich. Kommunikationsexperten die auf Klarheit zielen, meiden sie deshalb auch wie den Teufel. Wahrscheinlich ist es aber nicht die Absicht dieses Satzes, dass man ihn sofort erfasst.

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Der Computer: Velo oder Hamsterrad? http://ia.net/ch/blog/computer-velo-oder-hamsterrad/ http://ia.net/ch/blog/computer-velo-oder-hamsterrad/#comments Tue, 22 May 2012 09:25:47 +0000 http://ias.li/?p=9093 Werkzeuge sind Verlängerungen des Körpers: Die Brille ist eine Verlängerung des Auges, der Hammer eine Verlängerung der Hand, der Hut eine Verlängerung des Kopfhaars. Was ist ein Computer? Die Verlängerung unseres Geistes? Steve Jobs meinte, der Computer sei ein Fahrrad für den Geist. Eine schöne Vorstellung. Wenn man aber schaut, was insbesondere das Mobiltelefon mit uns macht, dann wirkt der zeitgenössische Computer eher wie ein Hamsterrad.

Der Lieblingstrick der alten Skeptiker war, einen zum Beweis aufzufordern, dass das Leben mehr als ein Traum sei. Mit diesem Trick kann man nämlich alles hinterfragen, und das ist das Ziel des Skeptikers. Nicht die Wahrheit zu finden, sondern immer alles zu hinterfragen.

Kant bereitete dem skeptischen Trick ein vorläufiges Ende indem er erläuterte, dass es in uns etwas gibt, was man auch als radikaler Skeptiker nicht vernünftig hinterfragen könne: Die Mathematik. Die Mathematik, so Kant, basiere auf zwei Prinzipien, die man nicht mehr wegzweifeln kann: Raum und Zeit. Alles, was wir denken, stellen wir uns in Raum und Zeit vor. Und alles, was in Raum und Zeit passiere, so Kant, würden wir in Kausalzusammenhänge, Analogien und gegenseitige Verhältnisse setzen. Mit anderen Worten: Wirklichkeit findet im Kontinuum von Raum und Zeit statt. Die Zustände, durch die wir in dieser Kontinuität hindurchgehen, sind miteinander verbunden.

Ob sich das alles genau so und nicht anders verhält, kann ich nicht beurteilen, aber Kant hat damit einen recht sicheren Hebel gefunden, um Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. In Träumen können wir, aufgrund der fehlenden Kontinuität, nicht klar denken. Träume sind nicht vernünftig miteinander verbunden. Sobald wir uns fragen: Wo bin ich? Wie bin ich hierher gekommen? Wo geh ich hin? Werden wir entweder aus dem Traum gerissen, oder, wie Idioten, in einen nächsten wirren Zustand versetzt, der uns die Frage nur scheinbar beantwortet oder vergessen lässt. Das Dumme ist, dass dieser Test nur funktioniert, wenn wir wach sind.

Warum interessiert mich das als Informationsarchitekt? Weil wir uns vor dem Bildschirm oft genau so verhalten wie in Träumen. Sobald wir in die Tiefen von Computer, Betriebssystem, Browser hinabgestiegen sind und uns in den Parallelwelten Google, Facebook, Twitter hin und herreiten, rauf- und runterrollen, verlieren wir, ganz wie im Traum, den Boden unter den Füssen, fangen an mit Leuten in anderen Gegenden und Zeiten zu kommunizieren, klicken hier, klicken da, und vergessen wo wir sind, wo wir herkamen und wo wir hinmöchten.

Das Perfide dabei ist, dass wir das Vergessen der Zeit für ein Zeichen des Vergnügens oder des Glücks halten. Wir suchen den Verlust der Wirklichkeit, wenn wir uns vergnügen: Vergessen wo wir sind, wo wir herkamen und wo wir hinwollen.

Perfide ist diese Verwechsung vom digitalen Traum mit herkömmlichem Vergnügen, weil wir uns vor dem Computer oft nicht richtig vergnügen, uns also nicht anspannen und entspannen wie beim Schach, im Film oder im Konzert, sondern uns bloss verzetteln. Unser inzwischen bald 24-stündiges Traumprogramm kann dadurch zum Alptraum werden. Wer nur noch auf den Bildschirm schaut, tritt in Konflikt mit der Wirklichkeit. „Zuerst formen wir unsere Werkzeuge, danach formen sie uns“ so McLuhan. Deutlich wird das spätestens, wenn man die Orientierung verliert und der Backbutton fehlt.

Und warum interessiert mich das als Informationsarchitekt? Weil ich die generelle Orientierungslosigkeit nicht als Ende der Gesellschaft oder als digitale Notwendigkeit, sondern als ein Zeichen für die Prädominanz schlecht strukturierter Programme lese. Das Irrwitzige ist, dass der Computer, das Tablett, und vor allem die Mobiltelefonie deshalb so erfolgreich sind, weil sie allgegenwärtige Zerstreuung bieten. Dabei vergessen wir aber, was das ursprüngliche Versprechen war: Der Computer soll uns beim denken und arbeiten helfen. Er soll uns Zeit sparen, nicht Zeit kosten. Wir sollen ihn beherrschen, nicht umgekehrt. Vielleicht ist das aber, wie so oft bei Technologien, die wir nicht ins Verhältnis zu unserem Körper setzen können, selbst nicht viel mehr als ein dummer Traum. Steve Jobs war ein Verkäufer, kein Designer.

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Salzburg.com – Alle Facetten einer Region http://ia.net/ch/blog/salzburg-com-alle-facetten-einer-region/ http://ia.net/ch/blog/salzburg-com-alle-facetten-einer-region/#comments Mon, 06 Feb 2012 13:05:44 +0000 http://informationarchitects.ch/?p=1374 Oft ist die Weltpolitik relevant für eine Region und manchmal ist die Politik einer Region relevant für die Welt. Bei Regionalzeitungen mit überregionalem Anspruch bewirkt dies zuerst und vor allem ein zünftiges Kuddelmuddel in der Ressortnavigation. Wilde Kategorienmischungen wie bei der WAZ sind keine Seltenheit: „News – Lokales – Politik – Sport“. Wo sind denn die lokalen News – und finde ich den Lokalsport nun unter Lokales, Sport, oder an beiden Orten? Die Rheinische Post unterscheidet sogar noch radikaler: „Aktuelles – Regionales“ steht da ganz oben und damit eigentlich die Behauptung, dass es in Düsseldorf nie Aktuelles über die Region zu berichten gebe. Ach war das einfach, damals mit der Bundstruktur.

Seit einer Woche ist Österreich den anderen in Sachen News-Kategorisierung eine Nasenlänge voraus, oder zumindest sind das dank iA die Salzburger Nachrichten. Auf Salzburg.com ist die Ressortnavigation nämlich als facettierte Suche umgesetzt. Auswahlen wie „Politik – Österreich“ oder „Sport – Salzburg“ werden so jederzeit und transparent möglich: die Ressortnavigation einer Regionalzeitung mit überregionalem Anspruch, befreit von der Bundstruktur-Denke.

Die Salzburger Nachrichten zählen neben der Presse und dem Standard zu den renommiertesten österreichischen Tageszeitungen. iA hat ihren Online-Auftritt Salzburg.com komplett überarbeitet.

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freitag.ch – Designed for Conversion http://ia.net/ch/blog/freitag-ch-designed-for-conversion/ http://ia.net/ch/blog/freitag-ch-designed-for-conversion/#comments Thu, 27 Oct 2011 14:45:40 +0000 http://informationarchitects.ch/?p=1294 Namics online gegangen.]]> Zehn Jahre trägt der stolze Lastwagen seine Abdeckplane auf der freien Autobahn. Bis ihm die urbanen Jäger von FREITAG an einem Tunnelausgang auflauern, das Fell, pardon die Plane über die Kabine ziehen und daraus Taschen machen. Die „Individually Recycled Freeway Bags“ von FREITAG werden geliebt und gekauft wegen der Geschichten, die sich um ihre Entstehung und ihre Erfinder, die Freitag-Brüder ranken. Geschichten mit E-Commerce zu verweben war denn auch die Herausforderung bei der Neugestaltung von freitag.ch. Nun ist der Shop, konzipiert und gestaltet von iA und umgesetzt von Namics online gegangen.

Die Einführung standardisierter Fracht-Container nach dem zweiten Weltkrieg hat unsere Welt verändert. War das Be- und Entladen eines Schiffes zuvor ein Puzzle, das viel Manpower und Zeit in Anspruch nahm, konnten danach Container unabhängig von ihrem Inhalt einfach und rasch übereinander gestapelt werden.

Websites haben ein ähnliches Puzzle-Problem. Definiert man Seiten als Ganzes, müssen die immer wieder aufkommenden Inhaltsstücke mühsam aneinander angepasst und an vielen Orten gepflegt werden. Zudem muss jede Seite für sich konzeptualisiert und in der Seiten-Hierarchie platziert werden. Dagegen ist es einfacher, einen Inhaltsstück zu definieren und die Bedingungen zu nennen, unter welchen es erscheinen soll. Aus diesem Gedanken entstand das Container-Prinzip für E-Commerce-Seiten.

Vom Nutzerziel zum Kontext

Auf der neuen FREITAG-Website werden Inhalte in Container gepackt und immer wieder so zusammengestellt, dass die Seite dem Nutzer dient. Dabei gilt das Prinzip: vom Nutzerziel zum Kontext. Je weiter nach unten der Nutzer scrollt, desto mehr Kontext bekommt er zu seinem primären Ziel.

Modularität

Wenn Inhalte in Containern und nicht in Seiten gedacht werden, wird das klassische Denken in Seiten aufgebrochen. Container können intelligent sein, während die Seite nur ein Gefäss, also ohne Logik bleibt. So kann ein Container feststellen, welche Produkte sich in einem anderen Container befinden und z.B. ähnliche Produkte anzeigen. Dieses Prinzip versetzt FREITAG in die Lage, immer wieder neue Container unabhängig vom Rest der Site zu entwickeln und einzusetzen.

Anforderungen an die FREITAG Website

Mit dem Containerprinzip geht iA auf grundliegende Eigenarten der FREITAG Website ein.

1. Haltung > Story Telling

Jedes FREITAG-Produkt hat Wurzeln, über die Geschichten erzählt werden sollen. So werden die Werte fassbar, die jedem FREITAG-Produkt inne sind. FREITAG trennt Verkauf nicht von Geschichten.

2. Branding > Look & Feel

Die FREITAG-Produktlinien FUNDAMENTALS und REFERENCE unterscheiden sich visuell voneinander. Jede Produktlinie erhält einen eigenen Containerstil. Die interaktiven Elemente bleiben dagegen im FREITAG-Stil. So kann man sagen: es sieht nach REFERENCE aus – es fühlt sich wie FREITAG an.

3. Unikate vs. Massenprodukte > Pars Pro Toto

FREITAG-Produkte sind durch ihre Entstehungsgeschichte Unikate. Die Website erklärt das Prinzip des Unikats, indem sie einzelne Unikate stellvertretend für ganze Modelle zeigt. Jede Tasche, die man auf der Site sieht, kann man auch kaufen. Auf dem Weg zum Kauf wird aber die Vielzahl an verfügbaren Unikaten offenbart.

4. Länderspezifisches Wissen > Conditions

In verschiedenen Ländern haben Menschen einen unterschiedlichen Kenntnisstand darüber, wer die Firma FREITAG ist, woher sie kommt, warum und wie ihre Produkte entstehen. Je nach Kenntnisstand im jeweiligen Land werden über programmatische Bedingungen unterschiedliche Informations-Container angezeigt.

Design for Conversion

freitag.ch vermittelt zwar viele Hintergrundinformationen zu den Taschen und zum Unternehmen. Mindestens ebenso wichtig ist aber, dass man die FREITAG-Produkte kaufen kann. Dabei stand FREITAG seit jeher vor einer besonderen Herausforderung: Jedes FREITAG-Produkt ist ein Unikat. Gut, wenn der Nutzer mit diesem Konzept vertraut ist. Was ist aber mit Menschen, die Massenprodukte gewohnt sind und einfach die Tasche kaufen möchten, die sie gerade sehen? Oder mit denen, die sich vielleicht doch von einem anderen Planenmotiv mehr angezogen fühlen würden?

In enger Zusammenarbeit mit FREITAG hat iA an der Conversion gearbeitet. Das Ergebnis zeigt sich im Online-Shop: die Produkt-Modelle werden direkt mit Unikaten angeteasert. Hinter jedem Produktbild steckt also tatsächlich ein Unikat, das man kaufen kann. Nicht nur die von FREITAG eingesetzte 360°-Fotostation für die Unikatbilder ist dabei eine Spezialanfertigung. Auch die Informationsarchitektur bedient unterschiedliche Bedürfnisse von rationalen Entscheidungen, emotionalen Käufen und notorischen Wiederkäufern. Wir analysierten Käuferabsichten und kaufentscheidende Kriterien, gossen sie in Szenarien, Customer Life Cycles und Use Cases. Anschliessend wurden darauf abgestimmt die Conversion Funnel minutiös erarbeitet und im Detail mit FREITAG abgestimmt.

FREITAG geht es nicht nur um den einen Verkauf, sondern darum, Kunden zu Fans zu machen. Schliesslich besteht das Leben aus Kreisläufen, so wie die LKW-Planen durch FREITAG ein zweites Leben bekommen. Die Informationsarchitektur dient deshalb nicht allein dem Zweck des Verkaufs. Durch die Container-Struktur bietet sie immer wieder Raum für Geschichten.

Ohne die enge Zusammenarbeit mit FREITAG, den Input von Tausenden von Support-Emails, Nutzeranalysen und Interviews, dem iterativen Feedback wäre der Shop in dieser Form nicht möglich gewesen. Auch technisch ist er weit weg von einer Standardlösung, weshalb eine enge Abstimmung mit Namics dieses Shop-Erlebnis erst ermöglichte.

Containerzusammenstellung auf der Startseite zum Zeitpunkt des Relaunches

iA-Scribble von Daniel Freitag auf der Helden-Seite

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Golem.de – Professionelle Computeranwender gewinnen Übersicht http://ia.net/ch/blog/golem-de-redesign/ http://ia.net/ch/blog/golem-de-redesign/#comments Fri, 13 May 2011 12:43:31 +0000 http://informationarchitects.ch/?p=1197 Auf dem ersten Blick klang die Anforderung recht einfach: breiter und besser lesbar sollte die neue Seite von golem.de werden und auch das Logo sollte überarbeitet werden. Wenn eine Online-Plattform über 14 Jahre eine Stammleserschaft aufgebaut hat, muss das allerdings behutsam umgesetzt werden. Das Ergebnis dieses Prozess ist seit Mai 2011 online.

golem.de Redesign von iA

Golem bietet einen Einblick in die Informationstechnologie und Telekommunikationsbranche. Zu den Lesern der Plattform gehören IT-Fachleute, Online-Verantwortliche, Marketingentscheider, Einkäufer und technisch Interessierte. Diese haben sich in der Vergangenheit häufiger eine Seite gewünscht, die breiter ist und mehr in die Mitte des Browserfensters rückt. Inhaltlich hat sich nichts geändert: Der etablierte Mix aus Hintergrundberichten, Tests, Interviews und Analysen des Marktgeschehens bleibt erhalten.

Video: Relaunch 2011 – Zeitreise durch 14 Jahre Golem (1:20)

Warum Golem?

Oft werden die Macher gefragt, wie es zu dem Namen golem kam. Unter golem.de wird das so erklärt:

„Der Golem ist verschiedenen Legenden zufolge ein von Menschen geschaffenes, unbeseeltes Wesen aus Lehm. Mit Hilfe von niedergeschriebenen Befehlen wird er zum Leben erweckt, anschliessend führt er Befehle unreflektiert und emotionslos aus. Die Folgen können tödlich sein. Die Analogie zum Computer ist nicht weit: Für uns steht der Golem für das technisch Mögliche, er warnt aber auch vor den Folgen allzu großer Technik-Euphorie. Jede technische Entwicklung kann ihre Auswirkungen auf den Menschen haben – negativ wie positiv.“

Zur Namensgebung beigetragen haben unter anderem Stanislaw Lems bedrückendes Buch „Also sprach GOLEM“, der humorvolle Scheibenwelt-Roman „Hohle Köpfe“ von Terry Pratchett und natürlich die Sage um den Prager Rabbi Löw und seinen Golem.

Das von iA überarbeitete Logo behält das Auge bei als Symbol der Wachsamkeit, die wir uns beim Umgang mit moderner Technik stets bewahren sollten.

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Business-Class: Ein Freemium-Modell für Zeitungswebseiten? http://ia.net/ch/blog/freemium-im-news-business/ http://ia.net/ch/blog/freemium-im-news-business/#comments Wed, 11 May 2011 08:20:56 +0000 http://informationarchitects.ch/?p=1155 Der Geschäftsleiter eines grösseren Medienunternehmens hat mich kürzlich nach meinem Standpunkt zum Thema Pay Walls, diesen Online-Bezahlschranken gefragt. Worauf ich, wie üblich, mit Schema-F antwortete: Die Grundwährung von News-Websites sei die Aufmerksamkeit und nicht Moneten. Seine Aufgabe als Verleger bestünde darin, diese Aufmerksamkeit in Geld zu verwandeln und die Aufmerksamkeits-Maschinerie am Laufen zu halten. Er nickte und erwiderte zu meinem Erstaunen…
Auch ich glaube nicht an einen Erfolg der Pay Walls. Aber wir müssen etwas tun, bevor wir alle unsere jetzigen Abonnenten verlieren. Klar, es ist ein hartes Business… Aber das Geschäft mit der Luftfahrt ist auch kein Zuckerschleck, und doch haben Fluggesellschaften einen rentablen Weg gefunden. Können Sie mir erklären, weshalb manche Leute Business-Class buchen, obschon mich das Flugzeug an denselben Ort bringt, unabhängig davon, ob ich Business oder Economy fliege? Der massive Preisunterschied lässt sich ja nicht wirklich erklären, wenn man den tatsächlichen Wert der beiden Dienstleistungen vergleicht.

Er wollte wissen, ob ich mir schon Gedanken dazu gemacht hätte, wie sich die Logik des Luftfahrtbusiness auf das Online-News-Geschäft übertragen liesse. Wie würde eine News-Website der Business-Class aussehen?

Kunden der Business-Class wollen auf die Folter in der Holzklasse verzichten. Beim Boarding und bei den Sicherheitskontrollen müssen sie sich weniger lange anstellen, und sie erhalten Champagner à discrétion. Nach der Landung sind sie schneller draussen, und nicht zuletzt geniessen sie das Gefühl von höherem Status.

Er fügte hinzu, dass er sich auch im News-Business eine Methode erhoffe, um jeden Leser immer wieder durch die edlen Klassen hindurch zu führen, damit der Economy-Class-Kunde erkennt, was ihm fehlt.

Information verknappen ist nicht ökonomisch

Unabhängig davon, wie geglückt oder schief der Vergleich scheinen mag, in einem Punkt hatte mein Gesprächspartner sicherlich recht. Nachrichten in einem Online-Medium zu lesen, fühlt sich an wie ein Flug auf den billigen Plätzen. Zudringliche und zerstreuende Werbung, billige Archivbilder, schludrige Typografie, haufenweise sinnlose Leserkommentare, Leseempfehlungen von IT-Robotern und der Mangel an persönlichen Dienstleistungen sowie ein beengendes Informations-Design machen das Leseerlebnis zu einer Tortur.

Wer ebenso wie wir Online-Nachrichtenportale gestaltet, der weiss, dass wir Designer dieses Problem nicht bloss durch Klugheit oder Anstrengung lösen können. Privatwirtschaftlich organisierte Medienhäuser müssen Geld verdienen und die meisten Publikationen präsentieren sich so wie sie sind, weil die Instruktionen und die Anforderungen an die Gestaltung so sind wie sie sind. Folgender Vergleich macht deutlich, wie viel Platz die Marketing-Strategie für sich beansprucht, damit sich das Produkt rentiert. Die beiden Darstellungen illustrieren, wie begrenzt der Raum ist für die eigentlichen Inhalte, das heisst redaktionelle Beiträge.

Das Rauschen auf einer NYT-Webpage

Trotz dieses umfassenden Rauschens muss man nach wie vor festhalten, dass Online-Nachrichten-Sites noch nicht genügend Profit generieren. Manche Verlage versuchen nun die Finanzen in den Griff zu kriegen, indem sie Bezahlschranken bauen: „Die Leser wollen Nachrichten? Dann mögen sie bitte dafür bezahlen!“ Wie allgemein schon früher erkannt wurde, ist dieses Verkaufsargument für Internet-User nicht sehr überzeugend. Schliesslich sind sie in Hülle und Fülle umgeben von Gratis-Nachrichten. Die strategischen Probleme, welche Bezahlinhalte mit sich bringen, werden immer wieder gewälzt:

  1. Im Netz sind Informationsgüter kein knappes Gut – wenn ich als Leser einen Artikel nicht lesen kann, lese ich eben einen anderen, entweder bei der gleichen Quelle oder dann halt anderswo.
  2. Bezahlschranken schwächen die Hauptattraktion (Inhalte) Ihrer Nachrichten-Site und die mehrfachen Anmelderoutinen auf den verschiedenen Plattformen schädigen die Nutzererfahrung (User Experience). Manche Anbieter von Bezahlinhalten erlauben ihren gewieften Lesern den Einsatz von Sozialnetzwerken, um Inhalte mit Internet-Usern zu teilen, ohne dass diese zur Kasse gebeten werden. Auch diese Strategie wird sich langfristig nicht auszahlen, da viele Inhalte in Zukunft noch stärker via Social Media konsumiert werden.
  3. Manche Bezahlangebote sind ebenso mit Marketing-Inhalten übersät wie kostenfreie Angebote. Zahlende Kunden sind für den Werbemarkt eine attraktive Klientel, aber für Inhalte zu bezahlen und sich bei der Lektüre trotzdem einem Feuerwerk von Werbung aussetzen zu müssen, ist für den Leser kaum ein fairer Deal.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Bezahlschranken für Inhalte ist nicht das, was wir empfehlen. Sie erinnern sich an den Vergleich mit der Luftfahrt: Das Resultat einer Reise in der Business- oder in der Economy-Klasse ist dasselbe, ein Flug von A nach B. Lediglich das Erlebnis ist ein anderes. Ebenso sollten inhaltlich dieselben Nachrichten gelesen werden können, unabhängig davon, ob man sich als Leser in den Sitzreihen der Economy- oder der Business-Class von Nachrichten-Websites niederlässt.

Die Idee einer Business-Class für Online-News betrifft nicht den Einkauf von Informationen, sondern sie betrifft den Kauf eines besseren Erlebnisses. Es geht um Dienstleistungen und Nutzererfahrung. Anders formuliert: Kunden lesen Bezahlinhalte, während User Gratisinhalte absurfen.

Gleiche Informationen bei unterschiedlichem Erlebnis

Die Idee eines Geschäftsmodells, welches eine Alternative zur fürchterlichen Nutzererfahrung von Online-News-Angeboten bieten würde, ist nicht besonders extravagant: Instapaper, Readability, FlipBoard und andere profitieren schon heute vom barbarischen Leseerlebnis heutiger Nachrichten-Portale. (Genau das empfiehlt Jay Rosen: „Verlagshäuser sollten in den Wettbewerb gegen FlipBoard einsteigen.“ Mit news.me fährt inzwischen die New York Times exakt auf dieser Schiene.) Diese neuen E-Reader-Programme, welche als Leseschnittstelle fungieren, teilen folgende Gemeinsamkeiten:

  1. Fokussierung auf die Gestaltung des Inhalts
  2. Verzicht auf blinkende und abstossende Werbung und Verzicht auf Platzverschwendung durch unnötiges Rauschen
  3. Relevanz durch Personalisierung

Diese Dienstleistungen bieten zudem den Vorteil, dass die Nachrichten und Artikel von verschiedenen Quellen stammen. Was diese Dienste ganz im Gegensatz zu den Verlagshäusern nicht bieten:

  1. Hochwertiges Bildmaterial (ist meistens zu kostspielig für ein grösseres Publikum)
  2. Einen ausserordentlich starken Markennahmen sowie ein ausgedehntes soziales Netzwerk ausgehend von der News-Website
  3. Persönliche Dienstleistungen dank qualifiziertem journalistischem Personal (nur für Premium-Kunden)

Wäre es nicht zumindest ein Versuch wert, wenn Sie eine Business-Class-Version Ihrer Nachrichten-Site anbieten würden, anstatt dieses Geschäft einer boomenden E-Reader-Software-Branche zu überlassen?

Klingt gut, aber wie muss man sich das vorstellen?

Wie sollte eine Business-Class-Version einer Nachrichten-Website genau aussehen? Zur Stunde bearbeiten wir exakt diese Fragestellung bei einem Beratungsprojekt, welches hinter den Kulissen stattfindet. Soweit wir das einschätzen, liegt die Lösung näher, als es sich vermuten lässt. Aus offensichtlichen Gründen können wir hier keine Gestaltungsbeispiele aus diesem Projekt publizieren. Ein augenfälliges Beispiel zur Darstellung eines bestimmten Aspekts ist die gesäuberte Online-Version der New York Times.

Die NYT als Economy- und als Business-Verision

Welche Version würden Sie lieber lesen? Was halten Sie davon, wenn Sie die „laute,“ durch Werbung finanzierte Version gratis konsumieren dürften und die auf Lesbarkeit optimierte Ausgabe gegen Bezahlung erhielten? Und wäre es reizvoll, wenn die angenehme Version auch für das Lesen von News-Beiträgen aus Quellen jenseits der NYT genutzt werden könnte? Wie, wenn Sie zudem ein besseres Nutzer-Profil erhielten, mit der Aussicht Fragen und Hinweise, die Sie im Kommentarbereich abgeben, beantwortet zu kriegen?

Nein, es geht nicht darum, die kostenfreie Version extra hässlich zu gestalten – bei der Fliegerei wird gemunkelt, man quäle die Economy-Gäste bewusst. Das im Web weitverbreitete Berechnungsmodell mittels Cost per View (CPV) wird automatisch für ein lautes Resultat bei der Economy-Version sorgen.

Ein schwieriges Unterfangen wäre der Aufbau einer Business-Class-Version der Bild-Zeitung oder eines anderen Boulevardblatts. Vorausgesetzt wird also ein Markennamen, der eindeutig mit einem Qualitätstitel assoziiert wird. Die Business-Class-Idee funktioniert also nur für Publikationen wie Die Zeit, The New Yorker, Il Sole 24 Ore und Le Monde. Le Monde versucht es mit einem ähnlichen Konzept, allerdings wird dort das „Upselling“ betrieben mit einem grösseren Angebot an Artikeln und Nachrichten (genau das empfehlen wir nicht) und einer Leserblogfunktion.

Wie viel darf es kosten?

Wir möchten Sie nun als regelmässigen Leser von Le Monde, NYT oder Die Zeit fragen, wie viel Sie bereit wären für die Business-Class-Ausgabe dieser Online-Publikationen zu bezahlen? Ich vermute, es müsste sich um eine Jahresgebühr handeln. Eine jährliche Rechnung von 99 Euro ist auf Dauer psychologisch weniger schmerzhaft als die monatliche Zahlung von 10 Euro. Die obigen Beispiele sollen bei dieser Preisfrage nicht ausschlaggebend sein. Die Business-Class-Versionen sollen schliesslich nicht nur eine bessere Gestaltung, sondern auch sonst mehr bieten.

Wie viel darf es kosten? 0, 5, 9, 49, 99 oder 299 Euro pro Jahr? Stellen Sie sich dabei vor, sie könnten zusätzlich Nachrichten anderer News-Quellen lesen in derselben Gestaltung und mit demselben Tool.

Senden Sie uns eine Twitter-Nachricht mit dem Preis, den Sie bereit wären, pro Jahr zu bezahlen. Wir freuen uns darüber.

(Übersetzt von Marc Böhler. Dieser Beitrag auf Englisch: „Business Class: Freemium for News?„)

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Venn ich nur wüsste, was UX ist http://ia.net/ch/blog/venn-ich-nur-wuesste-was-ux-ist/ http://ia.net/ch/blog/venn-ich-nur-wuesste-was-ux-ist/#comments Wed, 27 Apr 2011 14:32:21 +0000 http://informationarchitects.ch/?p=1102 Ich weiss ganz genau, was wir hier bei iA machen. Der Kollege, den ich vor einem Monat nach langer Zeit wieder einmal traf, der wusste das nicht. Wie er mir erzählte, hatte auch das eingehende Studium unserer Webseite daran nichts geändert. Dieser Kollege ist ein Zyniker, deshalb mag ich ihn nicht besonders und hatte keinen Kontakt mehr mit ihm aufgenommen seit ich damals noch als Projekt Manager bei einer anderen Firma arbeitete. Diesmal witterte ich die Chance, meine lang geplante Feldstudie „User eXperience erklären“ in die Tat umzusetzen. Meine Eltern finden sowieso gut, was ich tue, sind als Versuchskaninchen also nicht geeignet. Da kam mir ein nichts ahnender Zyniker gerade recht. Er fragte:

UXwas? Weshalb muss gerade der Nutzer im Zentrum stehen? Mir geht’s mit meinen Seiten vor allem darum, Geld zu verdienen!

So schnell kriegst du mich nicht, Früchtchen. Der Fokus auf den Nutzer ist unser Mittel gegen das, was Firmen sonst immer tun: auf den eigenen Nabel schauen. Zu ihrem eigenen Schaden, wie ich dir gleich erklären werde. 2 Stunden und eine Flasche Wein in der Bar Sol später (auf meine Kosten, sparsam ist er auch) hatte er es genau verstanden, denn er frage:

Wieso müsst ihr denn so viel wissen, um euer Design zu machen? Ist das nicht mehr Photoshop und so?

Gute Frage, ich werde dir jeden Aspekt erläutern, lass uns wandern gehen, ich übernehme die Kosten für die Bahnfahrt und bringe Proviant mit. Auf steinigen Wiesen voller Kühe erläuterte ich im feinsten Detail, wie bei interaktiven Produkten die Pläne und das Verhalten einer Organisation, die Technologie und bewusste Gestaltungs-Entscheide bezüglich Strategie, Struktur und Oberfläche zusammenspielen und letztendlich etwas produzieren, das wir User Experience nennen. Mit der, wie schon erläutert, der Erfolg eines Produktes steht und fällt. Er hatte das ganz genau begriffen, denn er fragte:

Sowas kann man doch gar nicht managen, das ist doch viel zu gross!

Nun, da kann ich dir nun wirklich nicht helfen, Projekt Management erfordert viel Erfahrung, Empathie – Menschenkenntnis – und Wissen über die Organisationen, in denen sich Menschen zusammentun.

Aha. Hm. Ihr sagt doch, ihr macht die Dinge einfacher, also erklär’ mir das alles nochmals in 3 Sätzen!

Oops. Panik! Überraschender Sieg des Zynikers in der letzten Runde?

Wann immer ich UX kurz und knapp erklären muss, schleicht sich ein Bild in meinen Kopf, das sich wie ein Virus in der Designer- und Beratergemeinde verbreitet hat. Das Venn-Diagramm. Es wäre gemein, Lou Rosenfeld als den ersten Träger dieses Virus zu identifizieren, aber er ist sicher einer der auffälligsten:

Oder waren es die einflussreichen IDEO, die das Diagramm für immer in unsere Köpfe geschweisst haben?

Auf jeden Fall verbreitete sich das Virus munter weiter. Es gab wahre Vennologen und natürlich auch solche, die gar keine Grenzen mehr sahen und aus Eigeninteresse rücksichtslos von der Dreifaltigkeitslehre abwichen:

UXMatters hat beim Versuch, das maledeite Zentrum dieses Diagramms zu beschreiben per Zufall meine liebste Metapher getroffen: Design ist Krieg! Oder zumindest ein bewaffneter Konflikt:

Auch wir haben uns die Hände schmutzig gemacht, mit dem Spektrum der Nutzererfahrung. Das Verdikt von Adaptive Path: „Intriguing, it raises more questions than it answers.“

Und klar ist: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Wird ein Architekt den Kern seiner Tätigkeit mit 3 überlappenden Kreisen erklären? Eher nicht. Wird es ein Consultant tun? Freilich! Architekten bauen Häuser. Consultants begnügen sich viel zu oft mit Luftschlössern. Wir bauen Webseiten (und andere interaktive Produkte).

In unseren Projekten legen wir den Fokus auf den einen oder anderen bisher vernachlässigten Aspekt: auf die Erfahrung des Nutzers mit dem Produkt, auf die Vereinfachung historisch gewachsener Strukturen, auf technologische Machbarkeit und Effizienz, auf ökonomischen Realismus. Immer aber haben wir es mit viel Komplexität zu tun. Der werden wir Herr mit unserer Erfahrung und unserer Fähigkeit, den einzelnen Problemen durch Analyse und Reflexion auf den Grund zu gehen. Ist das einfach zu erklären? Ja: Wir bauen Webseiten.

Ein guter Arzt kann erklären, weshalb mein Arm schmerzt, oder weshalb er meinen Blinddarm operieren muss. Kaum aber wird er ein einfaches Diagramm mit 3 Kreisen hervorziehen, das den Menschen oder den Beruf des Arztes als solchen erklärt.

Sind Webseiten einfacher als Menschen oder Gebäude? Helfen in unserem Fall die drei Kreise? Vielleicht – wenn wir untereinander über Komplexität und mögliche Lösungsmuster diskutieren wollen. Im häufigsten Fall verdecken sie mit ihrer vermeintlichen Vereinfachung mehr, als sie zeigen. Ich sehe sie als Zeichen von fehlender Reife einer Branche, die sich erst selbst finden muss, bevor sie anderen Vorträgen halten kann.

Mein zynischer Kollege hatte mich ursprünglich kontaktiert, weil er eventuell ein Projekt für iA habe und wurde zum nichts ahnenden Opfer meines Experimentes. Meine Antwort auf seine letzte Frage:

Hm, wenn ich dir das in 3 Sätzen erklären könnte, müsstest du mich ja nicht mehr anstellen, gell?

Bild: Flickr/junkchest

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The Brander zeigt die Macher hinter den Marken http://ia.net/ch/blog/the-brander-zeigt-die-macher-hinter-den-marken/ http://ia.net/ch/blog/the-brander-zeigt-die-macher-hinter-den-marken/#comments Wed, 16 Mar 2011 15:59:29 +0000 http://informationarchitects.ch/?p=1027 The Brander dreht sich alles um Marken und die Menschen, die dahinter stehen. Auch hinter dem Magazin selbst steht ein Mensch. Er heisst René Allemann und gründete 2005 das Beratungsunternehmen Branders in Zürich. Für das Design von The Brander hat er sich die Unterstützung von Information Architects geholt.]]> Dean & Deluca Feinkost aus New York, Berta Grappa aus Mombaruzzo, R.E.M aus Athens, Georgia oder Zai Ski aus Disentis. Im Online Magazin The Brander dreht sich alles um Marken und die Menschen, die dahinter stehen. Auch hinter dem Magazin selbst steht ein Mensch. Er heisst René Allemann und gründete 2005 das Beratungsunternehmen Branders in Zürich. Für das Design von The Brander hat er sich die Unterstützung von Information Architects geholt.

thebrander.com

Die Idee hinter dem Magazin beschreibt Allemann im Interview mit persoenlich.com wie folgt: „Wir möchten Marken wieder ein Gesicht geben. Wir sind umgeben von vielen globalen, anonymen Marken. Und wer hinter den Marken steht, geht unseres Erachtens nach viel zu oft vergessen. Gleichzeitig nimmt der Wunsch nach Authentizität und Nähe stetig zu. Dies wird auch für die Markenführung immer wichtiger. Darum verleihen wir Marken und ihren Machern Ausdruck – den Unternehmern, CEOs, Designern, Erfindern und Treibern. Wir möchten zeigen, was diese Menschen verbindet, was sie antreibt und was sie inspiriert.“

The Brander auf dem iPad Gezeigt wird dies im Web und auf Tablet-PC’s. Für den Browser des iPads hat Information Architects eine optimierte Version erstellt. Die Texte des Magazins werden von ausgewählten Autorinnen und Autoren bekannter Medien verfasst. The Brander erscheint auf Deutsch und Englisch

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Die Zeitungsapplikationskomplikation – wer zahlt? http://ia.net/ch/blog/die-zeitungsapplikationskomplikation-wer-zahlt/ http://ia.net/ch/blog/die-zeitungsapplikationskomplikation-wer-zahlt/#comments Fri, 18 Feb 2011 15:42:35 +0000 http://informationarchitects.ch/?p=995 Computer, Smartphone, Tablet-PC, IP-TV, Spiele-Konsole, Navigationsgerät und vielleicht sogar im Display des neuen Backofens. Das Web soll uns ganz wie von Bill Gates vorhergesehen überall Information übermitteln. Ob das wirklich Sinn macht, ist eine andere Frage. Klar ist: Smartphones sind auf dem Sprung zum Massenmedium und werden unsere Webnutzung gewaltig verändern.

Die jüngsten Zahlen von Cisco sind beeindruckend:

  • Die durchschnittliche weltweite Smartphone-Nutzung hat sich 2010 verdoppelt.
  • 2010 war die Datenmenge des mobilen Internets schon das Dreifache von der Menge des gesamten Internets im Jahr 2000
  • 2011 soll der Anteil von Videos am mobilen Datenverkehr erstmals über 50 Prozent steigen.

Die Prognosen für die Nutzung von Tablet-PCs wie dem iPad sind ebenfalls euphorisch. Für die USA geht Forrester Research davon aus, dass sich die Zahl der Nutzer von 2010 bis 2015 um das Achtfache auf 82,1 Millionen Tablet-­PC Nutzer erhöhen wird. In einem solchen Wachstumsmarkt sollte es für Medienhäuser recht einfach sein neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Realität sieht anderes aus. Das Munkeln wächst langsam zum Schrei heran: Das rechnet sich doch nicht!

Die Ökonomie der Apps für Smartphone und Tablet-PC ist schon in Rezessions-Stimmung. Gerade mal 383 Abonnenten soll die Welt im vierten Quartal 2010 auf dem iPad gehabt haben. Bei der Bildzeitung sollen es 785 sein. Schreibt die TAZ. In Anbetracht solcher Zahlen wäre ein Blick in den Business Case von Rupert Murdochs Tageszeitung Daily für das iPad sehr spannend. Nach Berichten der BBC sollen dort mehr als 100 Journalisten arbeiten.

Doch auch wer weniger Personal bezahlen muss, zückt immer häufiger den Taschenrechner. Was bedeutet es denn, wenn Apples IOS bei Smartphones und Tablet-PCs Marktanteile verliert? Muss jetzt auch eine App für Android, Windows 7 und BlackBerrys RIM her? Wieviel Mehraufwand braucht es um mit einer App auf dem Android Smartphone und dem Android Tablet-PC vertreten zu sein? Und wie zahlen sich solche Investitionen aus?

Wer lange genug rechnet, kommt irgendwann zu dem Schluss: Browserbasierte Lösungen mit HTML 5 und CSS3 sind eine – wenn nicht die einzige richtige – Alternative. Aus heutiger Sicht bieten sie eine hohe Skalierbarkeit wenn in den kommenden Monaten weitere internetfähige Geräte auf den Markt kommen. Die Grundidee vom Responsive Web Design , die Ethan Marcotte 2010 vorgestellt hat, wurde an vielen Stellen weiter entwickelt. Mit der Optimierung von Zeit Online für das iPad haben wir unseren Beitrag dazu geleistet.

Technisch ist die Alternative zur App-Welt auf einem guten Kurs. Inhaltlich gibt es aber noch viel zu tun. Es ist mehr als fraglich, ob der Leser oder Kunde beim flüchtigen Blick auf das Smartphone den gleichen Text wie am heimischen PC oder auf dem Tablet-PC lesen will.

Wie im klassischen Journalismus  gibt es auch beim digitalen Publizieren einen Katalog von W-Fragen:

  • Wer liest uns auf welchem Gerät?
  • Wie müssen unsere Inhalte auf den verschiedenen Geräten aufgebaut und strukturiert sein?
  • Wo, d.h. auch in welchen Situation und mit welchem Zeitbudget, werden die Inhalte konsumiert?
  • Was wird auf den einzelnen Geräten gelesen?
  • Wann und mit welchem Informationsbedürfnis wird welches Gerät genutzt?

Wer diese Fragen mit zeigemässem geräteunabhängigem Webdesign (Stichwort „Responsive Web Design“) beantwortet, braucht keine Apps.

Bild: tellumo bei Flickr

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