Die Zeitungsapplikationskomplikation – wer zahlt?

Computer, Smartphone, Tablet-PC, IP-TV, Spiele-Konsole, Navigationsgerät und vielleicht sogar im Display des neuen Backofens. Das Web soll uns ganz wie von Bill Gates vorhergesehen überall Information übermitteln. Ob das wirklich Sinn macht, ist eine andere Frage. Klar ist: Smartphones sind auf dem Sprung zum Massenmedium und werden unsere Webnutzung gewaltig verändern.

Die jüngsten Zahlen von Cisco sind beeindruckend:

  • Die durchschnittliche weltweite Smartphone-Nutzung hat sich 2010 verdoppelt.
  • 2010 war die Datenmenge des mobilen Internets schon das Dreifache von der Menge des gesamten Internets im Jahr 2000
  • 2011 soll der Anteil von Videos am mobilen Datenverkehr erstmals über 50 Prozent steigen.

Die Prognosen für die Nutzung von Tablet-PCs wie dem iPad sind ebenfalls euphorisch. Für die USA geht Forrester Research davon aus, dass sich die Zahl der Nutzer von 2010 bis 2015 um das Achtfache auf 82,1 Millionen Tablet-­PC Nutzer erhöhen wird. In einem solchen Wachstumsmarkt sollte es für Medienhäuser recht einfach sein neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Realität sieht anderes aus. Das Munkeln wächst langsam zum Schrei heran: Das rechnet sich doch nicht!

Die Ökonomie der Apps für Smartphone und Tablet-PC ist schon in Rezessions-Stimmung. Gerade mal 383 Abonnenten soll die Welt im vierten Quartal 2010 auf dem iPad gehabt haben. Bei der Bildzeitung sollen es 785 sein. Schreibt die TAZ. In Anbetracht solcher Zahlen wäre ein Blick in den Business Case von Rupert Murdochs Tageszeitung Daily für das iPad sehr spannend. Nach Berichten der BBC sollen dort mehr als 100 Journalisten arbeiten.

Doch auch wer weniger Personal bezahlen muss, zückt immer häufiger den Taschenrechner. Was bedeutet es denn, wenn Apples IOS bei Smartphones und Tablet-PCs Marktanteile verliert? Muss jetzt auch eine App für Android, Windows 7 und BlackBerrys RIM her? Wieviel Mehraufwand braucht es um mit einer App auf dem Android Smartphone und dem Android Tablet-PC vertreten zu sein? Und wie zahlen sich solche Investitionen aus?

Wer lange genug rechnet, kommt irgendwann zu dem Schluss: Browserbasierte Lösungen mit HTML 5 und CSS3 sind eine – wenn nicht die einzige richtige – Alternative. Aus heutiger Sicht bieten sie eine hohe Skalierbarkeit wenn in den kommenden Monaten weitere internetfähige Geräte auf den Markt kommen. Die Grundidee vom Responsive Web Design , die Ethan Marcotte 2010 vorgestellt hat, wurde an vielen Stellen weiter entwickelt. Mit der Optimierung von Zeit Online für das iPad haben wir unseren Beitrag dazu geleistet.

Technisch ist die Alternative zur App-Welt auf einem guten Kurs. Inhaltlich gibt es aber noch viel zu tun. Es ist mehr als fraglich, ob der Leser oder Kunde beim flüchtigen Blick auf das Smartphone den gleichen Text wie am heimischen PC oder auf dem Tablet-PC lesen will. Wie im klassischen Journalismus  gibt es auch beim digitalen Publizieren einen Katalog von W-Fragen:

  • Wer liest uns auf welchem Gerät?
  • Wie müssen unsere Inhalte auf den verschiedenen Geräten aufgebaut und strukturiert sein?
  • Wo, d.h. auch in welchen Situation und mit welchem Zeitbudget, werden die Inhalte konsumiert?
  • Was wird auf den einzelnen Geräten gelesen?
  • Wann und mit welchem Informationsbedürfnis wird welches Gerät genutzt?

Wer diese Fragen mit zeigemässem geräteunabhängigem Webdesign (Stichwort „Responsive Web Design“) beantwortet, braucht keine Apps.

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